Die Geschichte von "Chicco" - und warum Aussetzen kein Kavaliersdelikt ist

Viele von euch haben Zuhause eine kleine treue Seele sitzen. Eine kleine feuchte Nase, die stets uns ständig an eurer Seite ist... Könnt ihr euch vorstellen, euren Freund im Dunkeln, ganz still und heimlich an ein Tierheim abzubinden?

Am Dienstag, den 17.12.2019 bekamen wir um 16:52 Uhr einen Anruf mit unterdrückter Nummer auf dem Diensthandy. Eine männliche, akzentfreie Person meldete sich mit den Worten „Bei euch wurde ein Hund angebunden. Dass ihr den mal reinholt“, und da war das Gespräch auch schon beendet.

Tatsächlich fanden wir einen Hund, der an unserem neuen Zaun gebunden wurde. Völlig verängstigt und irritiert. Verständlich, er konnte nicht verstehen was ihm da passiert ist. Wir wollten das nicht einfach so hinnehmen, erstatteten Anzeige und baten über die Sozialen Netzwerke um Mithilfe. Die Resonanz war groß, und schließlich bekamen wir einen Hinweis, der uns tatsächlich zum Besitzer des Hundes führte. Einige Tage, nachdem „Chicco“, wie der Rüde heißt, am Tierheim ausgesetzt worden war, trafen wir uns dann mit Chiccos Besitzer im Tierheim.

Dieser hatte den Hund aus verschiedenen Gründen nicht behalten wollen und daher am Tierheim angebunden. Wir fanden eine Einigung mit ihm, die unter anderem die Kostenübernahme für Kastration und Erstuntersuchung vorsah. Die Anzeige erhielten wir aufrecht, denn Aussetzen ist unserer Meinung nach kein Kavaliersdelikt und weder dem Tier, noch dem Tierheim gegenüber fair! Wer meint, sein Tier einfach aussetzen zu müssen anstatt mit uns zu sprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden, muss damit rechnen, dass wir uns das nicht einfach gefallen lassen.

Leider gibt es Menschen die der Meinung sind, es sei in Ordnung, ein Tier auszusetzen; das sei ja besser als es zu töten oder im Wald verenden zu lassen. Diese Ansicht können wir nicht teilen. Im Schlechten gibt es nichts „Halbschlechtes“ und schon gar nichts Gutes. Tiere aussetzen ist verantwortungslos und feige, und auch das Tierschutzgesetz macht hier keinen Unterschied. Zudem müssen die zum Teil erheblichen Kosten vom Tierheim und damit von Spendern und Spenderinnen getragen werden. Eine unkastrierte, nicht geimpfte Hündin beispielweise kostet das Tierheim allein im ersten Monat ca. 750 EUR.

Chicco sucht nun bei uns im Tierheim nach einem neuen Zuhause. Er war durch sein Erlebnis traumatisiert, entwickelt sich aber nun in ganzer Linie positiv. Wer Chicco ein Zuhause geben möchte, kann sich gern auf unsere Webseite über ihn informieren und Kontakt mit uns aufnehmen.