Tierpfleger/in? Mehr als ein Beruf!

Ein Bericht von Laura Schneeberg

Halli-hallo! Mein Name ist Laura, und ich bin in meinem ersten Lehrjahr zur Tierpflegerin. Mit diesem Text möchte ich euch ein wenig aus meinem Leben erzählen, wie es zu dem Beruf überhaupt gekommen ist und einem Schicksal, das mir begegnet ist.

Wir schreiben das Jahr 2017. Ich hatte meinen Realschulabschluss gut überstanden und wurde in die offene Welt der Berufe geschubst. Eigentlich hatte ich nie wirklich einen Plan davon, was ich gerne erlernen möchte, also wurde mir zur Orientierung ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) vorgeschlagen. Dort fiel das Wort „Tierheim“. Ich hatte schon immer verschiedene Tiere in der Familie und auch selbst gehabt, also konnte ich mir eine kleine Vorstellung davon machen was man dort so tut. So sagte ich ja. Was es dann aber wirklich bedeutete, dort zu arbeiten und wie das mein Leben beeinflusst hat, hätte ich mir niemals erdenken können. In diesen 1,5 Jahren FÖJ habe ich so viele Dinge gelernt. Nicht nur über die ganze Tierwelt, sondern auch über mich. Mir macht diese Arbeit wirklich Spaß, und sie liegt mir sehr am Herzen. Dort fiel es mir nicht schwer, mich in die Arbeit einzufinden und bald darauf auch eigene Verantwortung für die bestimmten Tiere zu übernehmen. Auch der Kundenkontakt wurde immer entspannter und interessanter für mich. Insgesamt hatte dieses FÖJ einen wichtigen Einfluss auf meine Berufswahl.

So vergingen die Monate und waren schneller vorbei als gedacht. Natürlich kam für mich dann nur noch ein Beruf in Frage, der etwas mit Tieren zu tun hat, und so bewarb ich mich im Tierheim aktion tier Roggendorf. Als ich dorthin eingeladen wurde, kamen mir gleich am Tor ganz viele aufgeregte Hunde entgegen, und instinktiv fühlte ich mich sofort wohl. Mein Gespräch mit den Mitarbeitern und der Rundgang über dieses riesige Gelände waren überwältigend. Eigentlich wusste ich sofort nach meinen ersten paar Tagen Praktikum, dass meine Entscheidung getroffen war. Dieses Tierheim oder keins. Alle Mitarbeiter, sowie auch alle Tierheim-Bewohner haben mich freundlich empfangen, und als dann die Zusage kam, war ich total aus dem Häuschen. Jetzt konnte ich wirklich meinen Traumberuf erlernen und den Tieren im Tierheim den Aufenthalt, bis hin ins neue Zuhause, so angenehm wie möglich gestalten.

So fing meine Lehre an…

Es war so gut wie fast alles anders in diesem Tierheim. Viel größer, mehrere Bewohner und auch ein neues Team von Menschen. Ich wurde immer mehr in neue Sachen eingeführt, habe diese Dinge versucht umzusetzen, und sehr schnell wurde mir großes Vertrauen gegeben, worüber ich mich wahnsinnig gefreut habe. Meine Aufgaben sind im ersten Lehrjahr viel auf Katzen bezogen. Also Katzenräume säubern, desinfizieren, einrichten, ausräumen, mit allem was dazu gehört. Weitere Sachen sind z. B. füttern, Krankheiten frühzeitig erkennen, Medikamentengaben, Vermittlungsgespräche und Auskünfte über die Katzen geben, Katzen abholen fahren oder Katzenfallen aufstellen und kontrollieren. Natürlich gibt es auch die kleineren Sachen wie Wäsche, Materialabwasch und Grundstückspflege. Am meisten aber möchte ich den Tieren viel Liebe schenken und ihnen den Aufenthalt erträglicher machen, sodass sie sich wohlfühlen. Was aber auch neu für mich war, waren vor allem heftige Schicksale und viel tiermedizinisches Wissen.

Es war Sommer, und der Kitten-Boom war voll im Gange.

Viele kleine Kätzchen wurden uns als Findelkinder gebracht. Schon vorher habe ich besonders gerne mit Kitten gearbeitet, aber das überstieg dann doch meine Vorstellungen. Gefühlt jeden Tag kamen neue Kitten, die ohne jegliche Hilfe dem Tode geweiht wären. Kleine unschuldige kleine Fellknäule, die manchmal noch nicht mal die Äuglein offen hatten. Einige waren total verschnupft, andere voller Flöhe und total erschöpft. Mir zerbrach es wirklich das Herz zu sehen, was die Kleinen durchmachen müssen. Ich hatte noch nie einen Katzenwelpen mit der Flasche aufgezogen. Das änderte sich dann aber rasch im Oktober. Drei winzige, mauzende und verschreckte Augenpaare guckten mich eines Morgens in der Katzenaufnahme an und wollten meine Aufmerksamkeit. Augenblicklich hatte ich mich total verliebt.

Eine Kollegin fragte mich, ob ich diese Mäuschen nicht gerne mit zur Pflege nach Hause nehmen möchte, denn im Tierheim konnten sie auf keinen Fall bleiben. Sofort sagte ich ja. Alles eingerichtet und voller Euphorie, saß ich zu Hause und fütterte die Fellnasen. Alle 1-2 Stunden bekamen sie ein leicht aufgewärmtes Fläschchen, an dem sie gierig nuckelten. Sie bekamen die Namen Spooky, Sweety und Salem.

Leider merkte ich schnell, dass der Gesundheitszustand nicht so sein sollte wie erwünscht. Alle waren geplagt von schlimmem Durchfall. Das kann schon mal vorkommen, wenn man die Nahrung wechselt, also beobachtete ich es. Knapp eine Woche danach wurde ich von einem qualvollen Mauzen am frühen Morgen geweckt. Schnell lief ich ins Katzenzimmer, und mir schossen direkt Tränen in die Augen. Der kleine Salem wand sich hin und her und schrie vor Schmerzen. Ich separierte ihn von den anderen und machte es ihm ihn einer kleinen Box mit Wärme und vielen kuschligen Decken gemütlich. Er war krank, und in diesem Zustand konnte ihm keiner mehr helfen, er musste gehen. Danach war ich komplett fertig mit den Nerven. Es war eine schreckliche neue Erfahrung, die ich gemacht habe, obwohl ich weiß, dass auch dies mit zu dem Beruf zählt.

Spooky und Sweety hatten Glück

Daraufhin wurden Spooky und Sweety mit einem Mittel gespritzt, damit ihnen nicht das gleiche Schicksal blühte. Der Durchfall wurde besser, sie wurden mobiler, tranken die Milch und fingen an, ein wenig normales Kittenfutter zu fressen. Ich gab alles, damit die beiden Katzenwelpen überlebten. Nach ein paar Wochen waren sie größer und kräftiger. Sie wuchsen gesund auf und konnten, nachdem sie geimpft waren, ins Tierheim. Sweety hat rasch eine liebevolle Familie bekommen, in der sie mit anderen Katzen zusammenleben durfte.

Doch Spooky ging es nach ein paar Tagen im Tierheim sehr schlecht. Sie hat nichts mehr gefressen, erbrach, war apathisch und hatte schlimmen Durchfall. Die Sorgen gingen von vorne los, und ich zögerte nicht lange, und sie kam wieder mit mir nach Hause. Die gesamte Nacht päppelte ich sie auf, und am nächsten Morgen war sie wie ausgewechselt. Also durfte sie nach einigen Wochen wieder zurück ins Tierheim. Dort ging das Spiel von vorne los, und wir befürchteten, dass sie eine Krankheit hat, die durch Stress ausgelöst wird. Sie blieb dennoch da und bekam Antibiotika, besondere Pflege und ganz viel Liebe vom gesamten Team. Bald ging es ihr besser, und währenddessen kamen Interessenten, die sie gerne adoptieren wollten. Es passte alles wunderbar, und so zog sie in ein stressfreies Heim. Einige Tage später telefonierten wir, und sie sagten, es wäre alles wunderbar. Ihr ginge es prächtig, und alles sei gut.

Es war wirklich schwer sich zu verabschieden. Aber auch das gehört dazu. Abschiede, die schwer sind, dennoch ist man glücklich, wenn ein Tier ein wundervolles Zuhause gefunden hat und von allen Seiten geliebt wird. Diese Erfahrung hat mich weitergebracht, und ich möchte sie niemals missen.

Was bedeutet Tierschutz?

Ich wurde gefragt, was Tierschutz für mich bedeutet, und ich kann sagen, am meisten heißt es für mich Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung gegenüber den Tieren, die Hilfe brauchen, sie zu schützen damit es ihnen gut geht und sie in genauso beschützende Hände zu geben. Dieser Beruf ist ein ständiges Geben und Nehmen von Liebe, Zuneigung und Vertrauen, die man immer zurückbekommt. Egal auf welche Weise, sei es ein Küsschen vom Hund oder das Schnurren einer Katze, die sich um deine Beine schlängelt. Deswegen ist es weniger ein Beruf, sondern eine kleine Lebensaufgabe, der ich mich gerne stelle. Ich bin sehr froh, die Welt der Tiere kennengelernt zu haben und möchte niemals mehr ohne sie leben.